Freitag, 2. Juli 2021


Im Gewirr zufälliger Verbindungen 

werden jene verstärkt die sich als sinnvoll erweisen

Gesprächsfragmente AUFBAU

Licht / Gegenlichtsituation / Details / Die gute Biegung
Dass aus einer Geraden die Eleganz der Rundung wächst
Die Krümmung aus der Geraden / Organische Nischen
Skulpturentraum / Apparate / Campingstuhlskizzen
Kabelbinder Expander Zurrgurte Gartenstühle Schlitten
Bildhauerei / Trickwerkstatt / Symetrischer Jugendstil
Skistöcke / Gummischläuche / Farbigkeit / Körperbau
Dass die Linien weitergehen aus dem Traum in die Realität
Berührung / Die Möglichkeit der Biegung / Perspektiven
Pausenschwung / Es sollte nicht zu Gerade sein / Anmut

Die rosa Querstange scheint abgeschafft. Weg mit dem Bild
und neuere Bilder bitte. Die neue Version. Homeward. Spirit.
Jetzt gibts Kraft. Das Ding richtet sich auf. So hälts besser.
Der ist mehr Schmuck aber der macht sich schick in der Mitte.
Das verspannt sich. Das macht nen richtig schlimmen Zug.
Schub von unten. So. Aber schon in der Mitte. Dohannanei.
Heilandssackrament. A Stückle zurück. Jetzt stohts. Lose.
Du kannst den Winkel verstellen. Kabelbinder. Erst hier
dann oben. Das hat Hand und Fuß. Die neueste Version
Ist nicht zu sehn. Wo war das mal ausgestellt. Aber wir
müssen das nicht nach Photos machen. Die neue Version.
Den schwarzen Schweren nochmal rausmachen. Obwohl
der is eigentlich geil. Ich erinnere mich dass ich hier stopfen
musste. Was war oben. Geht da noch was rein. Querverbindung.
Das ging allein durch dieses kleine Teil. Ok. Ok. Mhm verstehe.
Nice. Das blaue Teil. Soll ich den so drüber ziehen. Unelegant.
Da müsste. So besser. Aja es geht. Die Linie is super. Und auch
die Abstände. Hier wackelt noch was. Das ganze Ding muss
Jetzt noch Richtung bekommen. Ziehen. Nu is jut.
Is noch schief. Zu dir. Is in sich noch schief. Dass diese Dinger.
Das wir hier drücken müssen. So auseinanderziehen. Guckmal.
Es schiebt sich komplett darüber. Guckmal hier. Hier ist das
Problem. Wir müssen hier vielmehr ziehen. Bringt das was.
Dass man hier nen fetten Zug hinkriegt. Verzogen. Verzeiht.
Verziehen. Es muss in sich nochmal in die andere Richtung.
Verschiedene Körper im Körper. Richtig fett biegen. An der
Stelle. Ne ne ne. Hier ist die Asymetrie. Thats the problem.
Stop. Bringt nix. Wieder zurück drehen. Nahaufnahme. Hier
Ist das Problem. Das müsste man rausnehmen und diese
Teile verbiegen. Ich hab immer viel gebogen. Aber jetz isses
zu viel. Das Aluminium aus den 50er Jahren muss mal für
sich betrachtet werden. Total verbogen. Mega. Wo legt man
jetzt die Hand an. Gelenke. Orthopädie. Mit jedem Handgriff
muss man schauen. Hühnergegacker. Jetzt ham wirs schön.
Innerhalb der Symetrie ne Asymetrie. Es braucht eine
Symetrie an der man sich festhalten kann. Wo das Auge und
der Körper mitgeht und sagt - hier halt ich mich fest.
 
 

 
 

Samstag, 26. Juni 2021


 

Vor ca. 15 Jahren begann ich, Vogelnester zu sammeln, fasziniert von diesen Bauwerken, die ich ganz als Objekt, als Skulptur wahrnehme.

Es ist die Struktur der Behausung, die Eleganz der Geometrie, die Fragilität der Schönheit und eine Ästhetik der Zer-brechlichkeit die faszinieren. Ein Vogel erbaut sein Nest innerhalb nur weniger Tage, einem genetisch bedingten Impuls folgend. Sein Ziel ist die Aufzucht seiner Nachkommen. Nur wenige Wochen wird ihm das Nest als Unterkunft dienen. Keinerlei Ausbildung ist für den Bau nötig und dennoch scheint die Virtuosität des "Hausbauens" vollendet zu sein.

Um die verlassenen Vogelnester ihrem drohenden Verfall zu entziehen und sie zu bewahren, begann ich den Aufbau einer Sammlung. Über Jahre hinweg wurden mir Nester zugesandt oder überreicht, die ich dann, nahezu wissenschaftlich dokumentierend, mit den Namen der Finder, dem Fundort und mit dem Funddatum versah. So wurde die Sammlung zu einem wachsenden Archiv vorgefundener Objekte.

Diese Behausungen in einem ehemaligen Hühnerstall zu installieren, eröffnete die Möglichkeit zur Neupositionierung der Vogelnester als Objekte im Raum. Dafür erschien mir diese Räumlichkeit, diese "stille Kathedrale" interessanter als ein sogenannter "White Cube". Die "Ausstellung" verfolgt den künstlerischen Ansatz, die Objekte in einem ganz besonderen Raum neu erfahrbar zu machen.

Des weiteren erörtert die Situation auch einen archivarischen Aspekt: Lagerboxen, gefüllt mit Exponaten und die Andeutung einer Arbeitssituation erinnern an den Aufbau eines naturkundlichen Archivs.

Ich selbst habe auf die Herstellung von Artefakten verzichtet, übernehme die Funktion eines "Raumgestalters", überlasse den Auftritt den vorgefundenen Formen, den Nestern, der Perfektion der Natur.  


Andreas Bressmer

Donnerstag, 10. Juni 2021

 
Erwin Ditzner ANRUF
  nest, n. nidus. ahd. mhd. (auch nist), ags. engl. nd. nëst. im plur. nester (mhd. nest und nester), vereinzelt auch nest (: fest) Rollenhagen froschm. I, 2, 7, 3. das wort ist (und wol mit recht) mit dem gleichbedeutenden sanskr. nîḍa (aus nisda), lat. nidus (aus nisdus), lit. lizdas, altslav. (mit vorgeschobenem g)   /Bd. 13, Sp. 622/ gnèzdo als compositum ni-sedo von ni-sed (sanskr. nisad) niedersitzen gedeutet worden (Pott 12, 311. Benfey wurzellex. 1, 146. Delbrück in der zeitschr. für deutsche philol. 1, 153. vgl. Grimm gesch. 412), so dasz es ursprünglich 'niederlassungsort' würde bezeichnet haben. Fick2 113 stellt es zu sanskr. nas wohnen, goth. nisan, ahd. nësan (s.genesen); Leo ags. gloss. 223, 42 zu nëstan (s. 1DWb  nestel), also ursprünglich das 'gespinnst'.
1) unter nest versteht man im allgemeinen eine jede von thieren zum hecken der jungen und zur lagerung gebaute wohnstätte. 

aus grimms wörterbuch

Freitag, 21. Mai 2021

 NEST 
Eine Ansammlung
Andreas Bressmer
23.5. - 28.6.
ÖFFNUNGSZEITEN : FR/SA/SO jeweils 12.00 - 19.00
Ausstellungsraum HUEHNERSTALLEN
Kaiserbergsteige 12 : 73037 Hohenstaufen



Freitag, 14. Mai 2021


 
Nachdem ich letztes Jahr (2020) den alten Hühnerstall schon als Trockenraum für
Albkräuter und Wiesenheu nutzte, begann ich im Frühjahr 2021 den Hühnerstall
auszuräumen (Legenester), besenrein zu putzen und mit Wasser durchzuspülen.

Alles andere hab ich so belassen wie ich es schon vor 5 Jahren vorgefunden hatte,
als ich die alte Bäckerei Nothardt in Hohenstaufen samt Garten und Stallgebäude
angemietet hatte.

Im Winter hatte ich mir überlegt den Hühnerstall als Ausstellungsraum zu nutzen
und ihn innerhalb meines Netzwerkes KünstlerInnen zur Verfügung zu stellen.
Einzuladen. Veranstaltung durchzuführen und im Sinne der botanischen Permakultur
eine Permakunst einzuführen, in der sich die Dinge mit der Zeit von selbst regeln.

LASS DIE TÜR AUF !

Im Sinne dieser Ansprache auch OFFEN BLEIBEN meinerseits für selbstregulierende
Mechanismen, die durch das Kunstschaffen und Kundschaften entstehen. Künstler
auszustellen ist ja nochmal etwas spezifisch Anderes als Künstler zu sein. 
Für mich selbst - ein Lernprozess.

Der Name HUEHNERSTALL für den Raum erschien mir zu langweilig und provinziell.
Ich verlängerte ihn um die beiden Buchstaben EN. HUEHNERSTALLEN so fand ich,
klang wesentlich exotischer. Ich fand ein altes Brett in dem ein Holzwurm lebt(e) und 
machte daraus ein Türschild.

Da ich ein Freund von ANAGRAMMEN bin wurde aus HUEHNERSTALLEN
ganz schnell ALLE THESEN RUHN. Für die erste Ausstellung hatte ich noch
etwas Zeit und so entschied ich mich selbst die erste Ausstellung einzurichten.
Und zwar mit dem alten Brett und der Aufschrift HUEHNERSTALLEN auf der
einen und ALLE THESEN RUHN auf der anderen Seite. Den Schriftzug hatte
ich als Versalbuchstaben mit Bleistift auf Papier gezeichnet, und dann mit einem
Cutter zu einer Schablone ausgeschnitten, um danach die Buchstaben mit
Pinsel und Acrylfarbe aufzutragen. Beidseitig.
Für die Ausstellung nahm ich das Schild mit der Aufschrift ALLE THESEN RUHN
als ReadyMadeInGermany und stellte es auf eine alte Sitzbank, die nun danach
auch als Sitzbank im Ausstellungsraum zur Verfügung steht. Titel der Ausstellung
war ebenfalls ALLE THESEN RUHN. Für mich galt dies auch als Antwort auf all
die aktuell weltweit verstörenden VIREN_Debatten, die auch hier im Dorf ihre
Blüten weiterhin treiben.

Nach der ersten offiziellen Ausstellung mit Andreas Bressmer war dann klar, dass
ALLE THESEN RUHN in den Pausenzeiten zwischen den Ausstellungen sich
bestens eignet und nun links vom Eingang des Stallgebäudes seinen Platz zwischen
den Weinreben gefunden hat.
 
gez. Bruno Nagel Sprachbehausung